Linkshändigen Kindern beim Zahlenschreiben helfen

Ein Kind schreibt mit der linken Hand auf einem schräg gestellten Blatt Papier.

Die meisten Anleitungen zum Schreibenlernen gehen still von einem rechtshändigen Kind aus, und ein linkshändiges Kind, das dieselbe Papierhaltung und denselben Stiftgriff übernimmt, tut sich unnötig schwerer, als das Schreiben selbst es verlangt. Kurz gesagt: Die zwei wichtigsten Anpassungen sind, das Papier in die andere Richtung zu kippen (linke Seite nach oben, etwa 30 Grad) und den Stift etwas weiter hinten zu halten, damit die schreibende Hand nicht die eigene Sicht auf das Geschriebene verdeckt. Bei keiner der beiden Anpassungen geht es darum, das Kind zu korrigieren — es geht darum, die Ausgangslage zu korrigieren. Dieser Artikel zeigt die konkreten Anpassungen, die wirklich helfen, und die eine Sache, die man besser nie versucht: die natürliche Hand eines Kindes umzustellen.

Wir bauen die Handschrifterkennung in 99 Math Animals, deshalb beschäftigen wir uns ständig damit, wie Ziffern bei jedem Griff und jedem Winkel entstehen. Linkshändige Kinder sind eine spürbare Minderheit unter den Kindern, die die App nutzen, und die Mechanik, die ihnen das Schreiben bequem macht, ist wirklich anders — nicht einfach ein Spiegelbild der Anleitung für Rechtshänder. Im Folgenden findest du, was wirklich hilft, gestützt auf echte ergotherapeutische Erkenntnisse, nicht auf Vermutungen.

Warum verändert die Händigkeit, wie Zahlenschreiben unterrichtet werden sollte?

Ein rechtshändiges Kind, das von links nach rechts schreibt, zieht den Stift von dem weg, was es bereits geschrieben hat — nichts wird verdeckt, und die Hand blockiert nie die Sicht. Ein linkshändiges Kind bewegt den Stift in dieselbe Richtung, von links nach rechts, was bedeutet, dass die Hand ganz natürlich über die gerade geschriebenen Zahlen wandert, wenn die Ausgangslage das nicht ausgleicht. Genau dieser eine mechanische Unterschied steckt hinter den meisten konkreten Schwierigkeiten, die Eltern bemerken — verschmierte Bleistiftspuren, ein unbequem gekrümmtes Handgelenk oder ein Kind, das sich sehr nah heranbeugt, um an der eigenen Hand vorbeizusehen.

Nahaufnahme einer linken Kinderhand, die beim Schreiben einen Stift etwas weiter von der Spitze entfernt hält.
Den Stift etwas weiter hinten zu halten als bei einem rechtshändigen Griff hält die schreibende Hand aus dem Blickfeld auf die Zahl.

Die zwei Anpassungen, die wirklich helfen

Papierwinkel. Kipp das Papier so, dass die linke Seite nach oben zeigt, etwa 30 Grad im Uhrzeigersinn von der Geraden — bei manchen Kindern eher 45 Grad, wenn sie dann ihre eigene Schrift am klarsten sehen. Das ist der genau entgegengesetzte Winkel zu dem, was normalerweise für rechtshändiges Schreiben gezeigt wird, und die wirksamste einzelne Korrektur gegen das eingehakte, gekrümmte Handgelenk, das manche linkshändigen Kinder entwickeln, um an der eigenen Hand vorbeizusehen. Stiftabstand. Lass das Kind den Stift etwa 2,5 bis 3,8 Zentimeter von der Spitze entfernt halten, also etwas weiter hinten als bei einem typischen rechtshändigen Griff. Ein kleiner Aufkleber an der richtigen Stelle auf dem Stift ist eine einfache visuelle Erinnerung, falls die Finger immer wieder Richtung Spitze rutschen.

Einen bequemen Schreibplatz einrichten

  • Kipp das Papier, bevor das Kind anfängt, nicht erst, wenn es hakt. Stell den Winkel gleich zu Beginn einer Schreibsitzung ein, statt mittendrin nachzukorrigieren.
  • Sorg für Platz für den Ellbogen. Setz ein linkshändiges Kind ans Ende eines Tisches oder links von einem rechtshändigen Geschwisterkind oder Sitznachbarn, damit sich nicht zwei Ellbogen denselben Platz streitig machen.
  • Eine leicht erhöhte, schräge Fläche kann helfen. Ein aufgestelltes Klemmbrett, ein Ordner oder ein Schreibpult hält das Handgelenk gerader und verringert die eingehakte Haltung, die entsteht, wenn ein Kind flach und niedrig schreibt.
  • Achte auf das Handgelenk, nicht nur auf die Zahlen. Ein eingehaktes, gekrümmtes Handgelenk ist meist ein Zeichen, dass der Papierwinkel angepasst werden muss — nicht etwas, das sich allein durch den Griff beheben lässt.
Ein schräg auf einem Tisch liegendes Blatt Papier, auf das eine linke Kinderhand eine Zahl schreibt.
Das Papier macht hier den Großteil der Arbeit — schräg gestellt um etwa 30 Grad, linke Seite nach oben, bevor der Stift es überhaupt berührt.

Rechtshändige Standardhaltung im Vergleich zur linkshändigen Anpassung

Typische rechtshändige HaltungLinkshändige Anpassung
PapierwinkelLeicht nach rechts gekippt, etwa 20-30 Grad gegen den UhrzeigersinnLeicht nach links gekippt, etwa 30-45 Grad im Uhrzeigersinn
StiftabstandNah an der Spitze, etwa 1,5-2 cm dahinterWeiter hinten, etwa 2,5-3,8 cm, damit die Hand nicht im Blickfeld ist
HandgelenkshaltungBleibt von selbst recht geradeAuf eingehaktes, gekrümmtes Handgelenk achten — meist ein Zeichen für den Papierwinkel, kein Griffproblem
Sitzplatz neben anderen KindernEgal, auf welcher SeiteAm besten links von einem rechtshändigen Kind, damit die Ellbogen nicht zusammenstoßen
Die Hand eines Elternteils führt sanft die linke Hand eines Kindes beim Schreiben am Tisch.
Ein bisschen Hilfe bei der Ausgangslage bringt hier mehr als das Nachkorrigieren der Schrift selbst.

Sollte ich mein Kind auf die rechte Hand umstellen?

Nein. Die Handpräferenz bildet sich sehr früh aus und sollte nicht überschrieben werden, auch nicht sanft — die Anpassungen oben gibt es genau deshalb, damit ein linkshändiges Kind nicht gegen die eigene, natürliche Hand ankämpfen muss, um bequem zu schreiben. In Deutschland wurde bis weit in die 1990er-Jahre hinein rechtshändiges Schreiben in den Lehrplänen der Bundesländer vorgeschrieben — sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR wurden linkshändige Kinder systematisch auf rechts umgeschult. Heute schreiben etwa 22 % der Menschen in Deutschland mit links, gegenüber nur 4 % im Jahr 1950 — ein Hinweis darauf, wie viele natürliche Linkshänder damals umgestellt wurden. Die Forschung dazu, unter anderem von der Linkshänder-Expertin Dr. Johanna Barbara Sattler, zeigt: umgeschulte Kinder hatten oft eine unruhigere, weniger saubere Schrift als vorher — das Umstellen half also nicht einmal der Handschrift selbst, von möglichen weiteren Folgen ganz abgesehen. Wenn ein Kind mehr Schwierigkeiten zu haben scheint, als die Ausgangslage erklärt, ist das ein Thema für die Lehrkraft oder eine Ergotherapeutin — kein Grund, die Hand zu wechseln.

Hat das etwas mit spiegelverkehrt geschriebenen Zahlen zu tun?

Nicht direkt. Zahlendreher kommen bei links- und rechtshändigen Kindern bis etwa zum 7. Lebensjahr ähnlich häufig vor, und die Händigkeit allein verursacht oder verhindert sie nicht. Die Anpassungen in diesem Artikel betreffen Bequemlichkeit und Lesbarkeit, nicht das Spiegelverkehrt-Schreiben — ein linkshändiges Kind, das Zahlen dreht, durchläuft einfach dieselbe typische Phase wie ein rechtshändiges.

Fragen, die Eltern stellen

Ist es normal, dass ein linkshändiges Kind langsamer schreibt?

Ein bisschen, vor allem bevor Papierwinkel und Stiftabstand angepasst sind. Sobald die Ausgangslage die Händigkeit berücksichtigt, schließt sich der Abstand meistens — es liegt selten am Können, öfter am Kampf gegen eine unpassende Standardhaltung.

Sollte ich mein linkshändiges Kind auf die rechte Hand umstellen?

Nein. Die Handpräferenz bildet sich sehr früh aus, und ein Umstellen wird nicht empfohlen — das Ziel ist, die Ausgangslage (Papierwinkel, Stiftabstand) an die natürliche Hand des Kindes anzupassen, nicht umgekehrt.

Welcher Papierwinkel ist beim linkshändigen Schreiben am besten?

Etwa 30 Grad im Uhrzeigersinn von der Geraden, linke Seite nach oben — der genau entgegengesetzte Winkel zur typischen Anleitung für Rechtshänder. Manche Kinder sehen ihre Schrift bei einem steileren Winkel klarer, bis etwa 45 Grad; die Bequemlichkeit des Kindes entscheidet über den genauen Winkel.

Helfen spezielle Stiftgriffe für Linkshänder wirklich?

Sie können helfen, vor allem indem sie das Kind dazu bringen, den Stift weiter hinten zu halten. Aber der Papierwinkel zählt meist mehr als das Griffstück selbst — ein guter Winkel mit einem gewöhnlichen Stift schlägt einen Spezialgriff auf flach liegendem, ungekipptem Papier.

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